Ein Bericht von Silvia Kessler

Der 18-jährige Ismet Haxhaj ist ausgebildeter Brocki-Mitarbeiter in Thusis. Dass er vor gut zwei Jahren um ein Haar vor dem beruflichen Nichts gestanden wäre, ist heute nur noch eine vage Erinnerung.
Ob er ein Möbelstück an einen passenden Ort bringt, eine Kundin berät oder das Geld für einen Verkauf an der Kasse einzieht: Ismet Haxhajs Auftreten in Raniero’s Mercato Brocante an der Neudorfstrasse in Thusis wirkt routiniert. Den Betrieb hatte der 18-Jährige bereits während seiner Ausbildungszeit kennengelernt.
Seit vergangenem Dezember gehört er mit einem 60-Prozent-Pensum zum fest angestellten Team. Dieses besteht aus drei Personen – Geschäftsinhaber Raniero Pangaro, sein Stellvertreter Riccardo Mock und eben der frisch Ausgelernte Haxhaj. Hinzu kommt eine Handvoll Helferinnen und Helfer, die bei gewissen Arbeiten einspringen und unterstützen.
«Ich habe es gut mit allen», sagt Haxhaj.
In letzter Minute
Dass er nun eine feste Anstellung hat, macht den jungen Mann mit kosovo- albanischen Wurzeln sichtlich stolz. Denn gegen Ende der obligatorischen Schulzeit, die er in Chur absolviert hat, sah es trübe aus in Bezug auf berufliche Perspektiven. «Ich war schulisch nicht so stark», sagt der Realschulabgänger selbstkritisch. Mehrere Schnupperlehren – darunter als Automechaniker oder Verkäufer – hatte er absolviert, doch keine führte zu einem Lehrvertrag. «Ein Lehrer sagte mir, dass auch das Blaue Kreuz Ausbildungen anbiete», erzählt Haxhaj. In den letzten Schultagen – sozusagen auf den letzten Drücker – durfte er in der Brocki Thusis schnuppern. Und er erhielt daraufhin einen Lehrvertrag für die zweijährige praktische Ausbildung (PrA) im Bereich Logistik. Die PrA ist ein niederschwelliges Berufsbildungsangebot, das in erster Linie jungen Menschen mit Lernschwierigkeiten offensteht.
Haxhaj nutzte die Chance, die ihm sozusagen in letzter Minute geboten wurde. Er zog die von der IV unterstützte Lehrzeit durch und schloss die PrA-Ausbildung letztes Jahr im Sommer ab. «Die IV empfahl, noch ein Arbeitspraktikum von zwei oder drei Monaten anzuhängen, um das Gelernte zu festigen», fährt Haxhaj fort. In der Brocki Thusis war das jedoch nicht mehr möglich. Das Blaue Kreuz hatte inzwischen beschlossen, keine Lernenden mehr auszubilden (Ausgabe vom 27. Januar). Doch der junge PrA-Absolvent hatte Glück: Raniero Pangaro, der seit 2023 seine eigene Brockenstube führt, nahm Haxhaj für das geforderte Arbeitstraining auf.
«Wir haben Ziele vereinbart, die Ismet gut umsetzte», so Pangaro. Ohnehin habe der junge Mann, der zusammen mit sechs Geschwistern noch bei den Eltern in Chur wohnt, während seiner Ausbildungszeit grosse Fortschritte gemacht. Und weil der Brocki-Inhaber noch zwei helfende Hände gebrauchen konnte, bot er Haxhaj eine Festanstellung an.
Nächsten Ziele sind gesetzt
Seit Dezember arbeitet der junge Logistiker PrA nun in einem 60-Prozent- Pensum in Pangaros Brockenstube. «Zum Leben reicht der Lohn aber nicht ganz», sagt er. In Abklärung ist, ob die IV die fehlenden 40 Prozent für eine Vollzeitanstellung übernimmt, wie er anfügt, und die Zeichen scheinen gut zu stehen.
«Der Zuständige bei der IV findet es super, dass ich eine Stelle gekriegt habe.» Und auch Haxhaj selber ist begeistert. «Mir gefällt, dass die Arbeit sehr vielseitig ist.» So ist er mal mit Aufräumen im Lager beschäftigt, mal hütet er den Laden, und oft packt er bei Umzügen und Hausräumungen mit an.
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